Im Zuge der Siedlerströme aus den deutschen Ländern in der 2. Hälfte des 13. Jh.
kamen nach dem Hauptzug aus Bayern auch Nachzügler aus dem Rheinland in die
gebirgige Gegend Nordungarns, in den Landstrich, der sich Zips nennt.
Sie folgten dem Rufe des ungarischen Königs Bela IV., der das vom Mongolensturm
heimgesuchte Land neu beleben wollte.
In der Sippe der rheinländischen Neuankömmlinge fand sich ein Mann namens Tegnagel,
dem es an Unternehmungsgeist und Kenntnis über Wasserbauten nicht fehlte.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister des Ortes Metzenseifen begab er sich im Jahre 1371
zum Grundherrn, den Probst des Prämonstratenser Ordens in Joos, um ihm sein Vorhaben,
den Bau von Hammerschmieden mit Wasserantrieb, zu unterbreiten. In denselben sollten
landwirtschaftliche Arbeitsgeräte erzeugt werden.
Der Probst willigte ein, er sah in dem zukünftigen Erwerbszweig nicht nur einen
technischen Fortschritt, sondern auch eine gute Einnahmequelle für die Probstei.
Das Vorhaben begünstigte die schon bestehende Förderung von Erzen in der Umgebung
der umliegenden Wälder als Rohstoffbasis zur Brennung von Holzkohle, insbesondere
aber die wasserreichen Quellen als Energiespender.
Man ging ans Werk. Es sollte für die Metzenseifner eine jahrhundertelange Existenzgrundlage
werden. Nach fünf Jahren fleißiger Arbeit waren drei Hammerwerke fertig und so wurde
das Jahr 1376 der Anfang der Metzenseifner Hammerschmiede Mit der Zeit nahm die Zahl
der Hammerwerke rasch zu. Die verschlämmten Täler wurden trocken gelegt. Umleitungen
aus den Nebentälern bereicherten den Wasserzufluss. Ein Netz von Wassergräben entstand,
die Verbindungsadern der künstlich angelegten Teiche mit dem Mutterbach.
In dem Wasserspeicher, dem Teich, wurde eine Wassermenge von 1000 - 2000 qm gestaut.
Man bestand auf optimaler Nutznießung der Wasserenergie und tat alles, um sich ihrer
Kraft zu bemächtigen. Am oberen Ende des Teiches war eine Schleuse und von der Seite
in der Nähe des Hammerwerkes eine Wehranlage als Wasserstandsregulator. Das überschüssige
Wasser wurde durch den sogenannten verlorenen Graben dem Mutterbach zugeleitet. Dicht
bei der Schmiede mündete der Teich in den Wasserkasten, hergestellt aus Lärchen- oder Eichenholz.
Es wurde immer etwas Neues ersonnen und verbessert. So kam es, dass auch der
Wasserradantrieb eine revolutionäre Umstellung erlangte. Durch einen sinnvollen
Hebelmechanismus konnte die Lage des Stopfens im Auslassventil des Wasserkastens
reguliert werden und damit gleichzeitig die Umlaufgeschwindigkeit des Wasserrades.
Die Wassermassen strömten seither auf ein oberschlächtiges Wasserrad, in das obere
hintere Radgefüge, in die Schaufeln des Rückenrades, wodurch sich die Wasserkraft vervielfachte.
Auf der verlängerten Achse (Welle) des Schaufelrades war ein Nockenwellenring aufgesetzt.
Das Metallschwanzende des Hammerstieles, welcher beiderseitig in Schlagsäulen gelagert war,
wurde von den Nocken angehoben und unter den Schlägen des über 100 kg wiegenden auszentrierten
Hammerkopfes wurde das glühende Eisenwerkstück in die gewünschte Form geschmiedet.
Im Hammerkopf und Hammerstock waren Hammerkerne eingeführt, die vom Meister täglich
zugeschliffen wurden, um glatte und genaue Schläge zu erzielen. Gleich hinter dem Hammer,
in der Ecke zum Wasserkasten war der Schleifstein. Dieser wurde durch ein zweites,
kleineres Wasserrad angetrieben.
Das Gebläse der Feuerstelle war in eine abgesonderte Räumlichkeit verlegt, die auch
zur Aufbewahrung des Werkzeuges und als Warenlager diente. Ein ausgeklügeltes
Ventilsystem sorgte dafür, dass Im Blasebalg immer eine gewisse Luftreserve verblieb
und dauernd das Feuer anregte.
Als Heizmaterial diente Holzkohle, geköhlert in den umliegenden Wäldern, später
kam Koks hinzu. Zwischen den wuchtigen Schwanzhammer und den Essen befanden sich
Schmiedeambosse. Hier wurden die Öhren der Hauen und die Düllen der Schaufeln und
Spaten verfertigt. Schere und Schleifstein gaben die endgültige Form und den letzten Schliff.
Der Arbeitsgang im Hammerwerk hatte seinen eigenartigen Rhythmus. In der Regel
waren in einem Hammerwerk zwei Meister mit je einem Gehilfen tätig. Während der
Meister schmiedete, bediente sein Gehilfe das Gebläse und die Ziehstange zur
Regulierung der Geschwindigkeit des Wasserrades im Einvernehmen mit der Kopfsprache
des Meisters.
Ein erfahrener Meister hatte die Formen seiner Geräteerzeugnisse im Auge, er schuf
sie ohne komplizierte Hilfsmittel. Zu seinen Erzeugnissen bekannte er sich mit seinem Gütezeichen.
In der Hammerschmiede begann schon um drei Uhr noch vor Tagesanbruch bei spärlichem
Fackelschein das Tagwerk. Ein Meister, der sich verspätete, wurde von den anderen
als schlechter Meister angesehen. Die scheinbar strenge Beurteilung hatte Ihre Logik.
Wenn ein Hammerwerk stand, war nicht genügend Wasser für den unter ihm stehenden.
Diese Unpünktlichkeit konnte schwerwiegende Folgen haben. Den Betreffenden konnten
die Bestellungen entzogen werden und sein Hammer verstummte.
Geschmiedet wurde früh und vormittags. In den Nachmittagsstunden wurde geschliffen
und die notwendigen Reparaturen an der Hammereinrichtung vorgenommen. Die Tagesproduktion
eines Schmiedes betrug 30 bis 40 Geräte.
Im Jahre 1639 wurde die Schmiedezunft ins Leben gerufen. Knapp vorher wurde die
Gemeinde Metzenseifen zur Bergstadt erhoben und bekam das Marktrecht zugesagt.
Ein erhaltenes Zunftbuch widerspiegelt getreu einen Zeitabschnitt von 48 Jahren.
In den Statuten der Zunft lesen wir unter anderem, dass die Erzeugung von Schaufeln
und Hauen in der Zeit vom 5. März bis 25. Juli und vom 8. September bis zum 30. November
nach alten Regeln und Gewohnheiten jedem erlaubt ist. Außerhalb dieser Zeit möge
sich niemand unterstehen, die angeführten Arbeiten zu verrichten damit - durch
Anstapeln der Ware - nicht ihr Verkauf gefährdet werde und der Handel der ärmeren
Meister nicht unterdrückt wird. Diese Regelung ermöglichte in der wasserarmen
Sommerzeit die Reinigung der Teiche, auch konnte für die kleine Landwirtschaft,
die für den Eigenbedarf aufrecht erhalten wurde, Sorge getragen werden. In den
Frostmonaten des Winters kamen die Hammerwerke zwangsweise zum Stillstand, was
für die ausgemergelten Schmiede eine wohlverdiente Ruhepause bedeutete.
Die Schmiedemeister besorgten auch den Absatz ihrer Ware, dabei waren Einheitspreise
das Gebot der Zunft. Jede Widersetzung oder Nichteinhaltung wurde streng bestraft.
Das Zunftsystem ging im Jahre 1836 ein. Doch gleich im Anschluss entstanden Gesellschaften
und Handelsvereine.
Die Hammerschmiede waren wirklich Meister ihres Faches. Die
Zweckmäßigkeit und Dauerhaftigkeit ihrer Erzeugnisse waren überall geschätzt,
verbreiteten sich anfangs in Österreich-Ungarn, später auch in der weiten Welt.
Unter den Händen der Meister entstanden wahrhafte Schmückstücke von Bodenbearbeitungsgeräten.
Sie verstanden es genau nach Maß, bis zu 100 Varianten von Hauen zu verfertigen
und weitere Mengen von Stichschaufeln, Wurfschaufeln, Spaten und Krücken. Sie
passten sie an, den landesüblichen, landesgebräuchlichen Formen, entsprechend
ihrer Bestimmung, so, wie es der Kunde verlangte. Die Geräte trugen die Bezeichnungen
der Städte, in deren Umgebung sie in Gebrauch kamen. Kataloge aus dem vergangenen
Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jh. zeugen von ihrer Vielfaltigkeit.
Die höchste Blütezeit erreichte die Metzenseifner Hammerschmiederei im letzten
Drittel des vorigen Jh. Damals waren 109 Hammerwerke mit 198 Essen in Betrieb.
Die Hammererzeugnisse kamen auch auf ausländischen Ausstellungen gut an und
erwarben viele Auszeichnungen. Später kamen Krisenzeiten, langsam wurde die
Schmiedeware von der billigeren Pressware verdrängt. Anfangs der zweiten Hälfte
des 20. Jh. verstummten auch die letzten Hammerwerke und mit ihnen der weit hörbare
Widerhall ihrer rhythmischen Schläge.
Drei Hammerwerke sind unter Denkmalschutz erhalten geblieben Sie können schon
heutzutage im europäischen Maßstab als seltene Rarität angesehen werden. Ab und
zu wird in ihnen für neugierige Besucher oder für die Objektive der Kameras von
einem der wenigen Meister, die noch da sind, ein glühendes Stück Eisen in ein
nützliches Gerät verwandelt. Eine Technologie, die über Jahrhunderte beibehalten
wurde. Nostalgie überfällt einen, wenn sich in der Fremde ein Besitzer lobend
rühmt, unter seinen Geräten noch eine geschmiedete Metzenseifner Haue zu haben.
Wenn man heutzutage in den Metzenseifner Tälern entlang geht, trifft man hie
und da noch verrostete, tief in den Boden eingerammte Überreste der Hammerschmieden.
Sie sind stumme Zeugen eines Erwerbszweiges, der so ausschlaggebend beinahe tausend
Jahre die Eigenständigkeit des Städtchens Metzenseifen bewahrte und dessen
Deutschstämmigkeit abschirmte.